Rückblick: Zu Fuß von Deutschland nach Zandvoort in Holland 2012

Es ist geschafft! Hinter uns liegt eine neuntägige Wanderung und insgesamt 170 Kilometer Strecke quer durch die Niederlande. Über die Kilometerpatenschaften sind somit über 4.160 Euro zusammen gekommen. Den Gesamtbetrag haben wir im Sommer an die Elterninitiative Krebskranke Kinder München e.V. überwiesen. Im September fand unsere Spendenwanderung im Newsletter des Vereins Erwähnung.

Im Folgenden wollen wir unsere Wanderung noch einmal Revue passieren lassen und uns an die besonderen Momente erinnern. Für uns beide war die Tour eine komplett neue und spannende Erfahrung, die uns nicht nur wegen unserer Spendenaktion in Erinnerung bleiben wird.

Der Start in Kranenburg

Eingeläutet wurde unsere Tour mit der symbolischen Überquerung der Grenze zu den Klängen unseres Wanderliedes „Saints Row The Third“ von Malcolm Kirby Jr. – was uns gleich in beste Stimmung für unsere erste Tagesetappe brachte. Schon nach wenigen hundert Metern führte unser Weg an einem großen Bauernhof vorbei dessen Bilderbuchkulisse wir im Sonnenschein genießen konnten.

Der weitere Tagesverlauf zeigte uns vor allem zwei Dinge: Die Schönheit eines langgezogenen Waldstücks, was den Hauptteil unserer ersten Etappe ausmachte und vor allem unsere falsche Annahme, dass uns in den Niederlanden eine sehr flache Route erwartet.

Die Strecke führte immer wieder auf und ab und erwies sich als wesentlich anstrengender, als wir erwartet hatten. Dementsprechend erschöpft kamen wir gegen Abend auf unserem Campingplatz an und bezogen unser Zelt, unwissend, was uns für eine Nacht bevor stand.

Das Zelt und seine Nachteile

Der nächste Morgen war kalt und vor allem nass. Nächtlicher Regen war relativ ungehindert in unser Zelt eingedrungen und hatte unserer Schlafsäcke, Isomatten und so manche Kleidung durchnässt. Die wasserdichten Aufbewahrungssäcke für unsere Technik hatten sich somit gleich in der ersten Nacht bewährt. Glücklicherweise regnete es nicht während wir unsere Sachen verstauten und übellaunig auf Zelt und Wetter schimpften.

Im Gegensatz zum ersten Tag führte unsere diesmal wirklich sehr flache Strecke am zweiten Tag leider hauptsächlich über den Randstreifen einer endlosen Landstraße und das Wetter gab sich weitestgehend bewölkt. Die Sonne zeigte sich erst gegen Nachmittag und verschwand leider auch schnell wieder. Gegen Ende unserer Tagesetappe zog dann ein heftiges Gewitter auf, das uns Unterschlupf in einem kleinen Hotel am Wegesrand suchen lies. So konnten wir unser nasses Gepäck ausbreiten und trocknen und hatten ein Überangebot von Steckdosen für die Akkus unserer Technik zu Auswahl.

Das andere Zandvoort

Der nächste Tag brachte uns wechselhaftes Wetter, gegen Nachmittag konnten sich glücklicherweise die Sonnenabschnitte durchsetzen. Wenige Kilometer nach unserem Start durchquerten wir einen kleinen Ort in der Nähe von Rhenen und trauen unseren Augen nicht: Wir waren soeben in Zandvoort angekommen. Die Entdeckung dieses Doppelgängers erklärte uns die verhaltene Begeisterung der meisten unserer Reisebekanntschaften, denen wir erklärt hatten, von der deutschen Grenze bis nach Zandvoort wandern zu wollen – in neun Tagen. Nach dieser Erkenntnis beschlossen wir, unser Ziel ab sofort nur noch mit dem Zusatz „aan zee“ zu erwähnen.

Im weiteren Verlauf der Tages machten wir einen kurzen Abstecher durch den Park von Schloss Amerongen, dessen gepflegter Rasen uns allerdings nicht zum Verweilen einlud. Wenige Kilometer weiter fanden wir dafür einen perfekten Platz in einem sonnendurchfluteten Waldstück und stärkten uns für die letzte Etappe. Bisher hatten wir für unsere Pausen trotz des wechselhaften Wetters noch immer eine trockene Stelle gefunden und somit war unsere gute Wanderstimmung trotz aufkommenden Rücken- und Fußschmerzen ungebrochen.

Auf unserem Campingplatz erwartete uns eine angenehme Überraschung: Der Besitzer bot uns ein kleines Ferienappartement an, dass nach den letzten (sehr sauberen) Gästen noch nicht gereinigt worden war. Zu einem Freundschaftspreis nahmen wir das nette Angebot an und freuten uns über eine eigene kleine Wohnung mit Balkon.

Neue Bekanntschaften am Wegesrand

Unsere vierte Tagesetappe begann aufgrund unseres frühen Aufbruchs zwar ohne Frühstück, doch konnten wir uns schon wenige Kilometer weiter in einem Café verköstigen lassen und im örtlichen Supermarkt unsere Vorräte aufstocken. Als wir die kleine Stadt Doorn gerade verließen, sprach uns ein freundlicher Einwohner auf der Straße an und fragte nach dem Ziel unserer Wanderung. Nach den Erfahrungen des Vortages konnten wir ihm unmissverständlich das richtige Zandvoort nennen und wurden sogleich auf Milch und Kekse zu unserem neuen Freund nach Hause eingeladen.

In seinem Wohnzimmer lernten wir kurz darauf seinen Frau kennen und unterhielten uns angeregt über Reisen und Jens überstandene Chemotherapie, was unserem Gastgeber aufgrund von Erfahrungen mit Krebs in der eigenen Familie sehr nahe ging. Mit den besten Wünschen unserer neuen Freunde mussten wir uns nach einer knappen Stunde leider schon wieder verabschieden – wir hatten noch über fünfzehn Kilometer vor uns.

Und diese wurden lang. Viel zu früh holten uns die im Bett des Appartements weg geschlafenen Rücken- und Fußschmerzen wieder ein und drückten auf die Stimmung. Am Campingplatz endlich angekommen war unsere Tagestour trotzdem noch nicht zu Ende: Weit und breit kein Personal oder eine Hütte zu sehen und am Himmel verdichteten sich die Regenwolken. Mit Erinnerungen an die sehr nassen und kalten Erfahrungen mit unserem Zelt rafften wir uns wieder auf und steuerten doch noch ein nahe gelegenes Hotel an. Zu müde für einen Blog-Eintrag fielen wir erst in die Betten und wenig später in einen tiefen, traumlosen Schlaf.

Die kleine Schwester Amsterdams

Tag fünf unserer Tour begann gut erholt und ausgeschlafen, die Regenwolken hatten über Nacht das Weite gesucht. Zudem lag mit unserem nächsten Zwischenstopp Utrecht auch eine verhältnismäßig kurze Tagesetappe vor uns. Das Wetter schwankte zwischen sonnig und bewölkt, ohne unsere Regenkleidung wirklich testen zu wollen.

Als wir nach knappen zwölf Kilometern in einem charmanten und gemütlichen Hostel in der Innenstadt einkehrten, war keiner von uns beiden noch besonders wanderlustig. Die letzten Tage schienen ihren Tribut zu fordern und so schlenderten wir nachmittags ohne Gepäck durch die schöne Altstadt. Utrecht selbst kam uns wie eine kleinere und touristisch nicht so überlaufene Version Amsterdams vor.

Kontakt mit den Gesetzeshütern

Nachdem wir eine ruhige und lange Nacht in den gemütlichen Bettern unseres Hostels verbracht hatten, stärkten wir mit einem „organic breakfast“ unsere Kräfte für den sechsten Tag unserer Tour. Gut erholt wanderten wir bei bestem Wetter in Richtung unseres anvisierten Campingplatzes, als uns bei einem Stop in einem kleinen Park eine Polizeistreife ansprach. Zwei angebliche Wildcamper mit ebenso blauen Rucksäcken wie wir hatten die Bewohnerin eines zuvor von uns durchquerten Dorfes alarmiert. Mit netten Worten und der niederländischen Beschreibung unserer Vorhabens auf Papier (hier hatte sich die Übersetzung wirklich gelohnt!) stellten sie Gesetzeshüter schnell fest, dass von uns keine Gefahr auszugehen schien und ließen und kurz darauf weiter ziehen.

Gegen frühen Abend erreichten wir den Campingplatz, während der Himmel sich immer weiter verdunkelte und auf einen ordentlichen Wolkenbruch schließen lies. Netterweise konnten wir unsere Rucksäcke in einem gesonderten Raum unterstellen, so dass unser Gepäck diesmal keine Nässe zu befürchten hatte. Der Platz im Zelt vergrößerte sich dadurch auf einfach nur sehr eng. Doch das konnte unsere Erschöpfung nicht davon abhalten, uns einen frühen und tiefen Schlaf zu bescheren.

Auf zu Theos Bauernhof

Nach einem ausgiebigen Frühstück im trockenen und warmen Aufenthaltsraum des Campingplatzes, konnten wir mit Hilfe der äußerst netten Besitzerin gleich unsere nächste Unterkunft reservieren.

Mit unserem Ziel – Theos Bauernhof – vor Augen wanderten wir den kompletten Tag durch Wind und Regenwetter. Dank unserer umfangreichen Schlechtwetter-Ausrüstung waren wir trotzdem warm eingepackt und bester Dinge unterwegs. Gegen späten Nachmittag meldeten sich dann wieder unsere Füße  und machten die letzten Kilometer zum Gewaltmarsch. Am Ende eines schier endlosen Feldes sahen wir schon Theos Bauerhof und boten nochmal unsere letzten Kraftreserven auf. Als Entschädigung für die Strapazen des Tages konnten wir Theo und seiner Frau dann beim Melken zusehen und kuhfrische, noch warme Milch trinken – für uns beide das erste Mal und ein toller Tagesabschluss.

Pausenreicher Entspurt

Der vorletzte Tag unser Tour stand vor Allem im Zeichen von vielen kleinen Verschnaufpausen. Um uns die mühevollen letzten Kilometer des Vortages zu ersparen, rasteten wir an allen sich anbietenden Stellen um unseren Füßen ausreichend Erholung zu gönnen. Leider ging unsere Taktik nur bedingt auf, und gegen Nachmittag zogen sich die Kilometer wie Kaugummi unter unseren schmerzenden Füßen. Um uns für die anstehende letzte Etappe unserer Wanderung nochmal ausreichend zu erholen, kehrten wir in Hoopddorp gegen Abend in einem kleinen Hotel ein.

Ankuft im Zandvoort

Zum letztes Tag fuhr das Wetter nochmal schwere Geschütze auf: Kälte, Wind und viel Regen testeten unsere Ausrüstung – taten unserer Vorfreude allerdings keinen Abbruch. Wegen des anhaltenden Regens war an Pausen am Wegesrand leider nicht mehr zu denken, was unsere Füße uns bereits mehrere Kilometer vor Zandvoort schmerzend rückmeldeten.

Trotz grauem, verregnetem Himmel fühlten wir uns allerdings wie Könige, als wir unsere letzten Kräfte mobilisierten und letzten Endes mit den Wanderschuhen in der Zandvoorter Brandung standen. Wir hatten es geschafft!

 

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